Dienstag, 26. September 2017

HandloomRhapsody - über Harmonien, Inspiration und Vertrauen










Einige Monate ist es schon her, dass Ines in der Karlottapink-Designnähergruppe zur Bewerbung zu ihrer geplanten HandloomRhapsody-Blogtour aufgerufen hatte. Handloom Rhapsody ... das musste ich erstmal Mr.Google übersetzen lassen .... to go into rhapsodies about ... ins Schwärmen geraten über .... eine Schwärmerei für die schönen Handloomstoffe also - handgewebt und fair produziert in Indien. Ja, sicher! Ich schwärme für sie, die schönen schillernden Farben, die Verarbeitung, die Haptik,....














...als Ines aber innerhalb des Aufrufs schrieb, wir sollten eine GESCHICHTE rund um diese Schwärmerei entwerfen und darüber bloggen, legte ich meine Bewerbung für dieses Projekt ad acta. Ich tue mich doch immer so schwer, in meinem Blog viel zu schreiben. Ich lasse das Genähte für sich sprechen, erwähne nur das Nötigste, die Bilder waren bisher immer meine Sprache.














Kurz vor Bewerbungsschluss schrieb mir Ines nochmals, ob ich mitmachen würde und ich äußerte meine Bedenken. Sie sprach mir ihr Vertrauen aus und versicherte mir, dass sie denkt, da könnte was Feines bei herauskommen. Ich sagte also zu - ohne irgendeinen Plan, WELCHE GESCHICHTE zu meiner Schwärmerei entstehen sollte. Meine Gedanken kreisten hingegen immer wieder um die Frage, WARUM ich eigentlich so sehr für Stoffe, für Nähen und das Kreativsein allgemein schwärme, warum es mir so wichtig geworden ist in den letzten fast vier Jahren.




Da ich wusste, dass noch einige Zeit bleibt, ließ ich das Thema erstmal ruhen und dachte mir, wenn mir Ines vertraut, könnte ich das ja auch einfach mal tun :-) ... und als ich es ruhen ließ, stießen mich immer wieder kleine Begebenheiten, Dinge, Worte, Zitate, Bilder ganz vorsichtig in Richtung HandlooomRhapsody. Das erste Mal waren wir gerade im Urlaub in den Pfingstferien. Ich fuhr mit meinen Kids im Auto zurück zu unserer Ferienwohnung und im Radio kam das wundervolle Lied "Fragile" von Sting....und ich musste - ergriffen von dem Gefühl, was mir dieser Song bescherte - plötzlich an die Handlooms denken.So genau hatte ich nicht gleich verstanden, was denn nun Musik mit Stoffen zu tun hat und fand es eher ein wenig seltsam. Als wir aber wieder zu Hause waren, habe ich begonnen, meine bisherigen Gedanken zu diesem Projekt in einem kleinen Buch festzuhalten.











Ziemlich bald fand ich dann den Zusammenhang zwischen Stoff und Musik .... und noch viel mehr...













Ich schwärme also, wenn etwas die Seele berührt. Und das tun sowohl bestimmte Musikstücke als auch bestimmte Stoffe. Ich schwärme, wenn etwas zu mir passt, zu meiner Geschichte, meiner Art zu denken und zu fühlen, wenn etwas STIMMIG ist. Und diese Stimmigkeit entsteht einfach, ich kann es nicht erzwingen, dass etwas passen soll. Entweder es passt oder eben nicht. Und das Nähen beschert mir immer wieder diese Momente, dieses Gefühl, dass es stimmt. 















Soweit so gut .... jetzt ahnte ich zwar, warum ich fürs Nähen und die Handlooms schwärme, aber WAS ich aus den mittlerweile ausgesuchten Stoffen nähen sollte, wusste ich immer noch nicht. 


Ich gab dem ganzen erneut Zeit und wartete ab, was mich vielleicht ein Stück weiter in Richtung HandloomRhapsody treiben könnte.



Dieser Instagrampost von Amy Prior - einer Stoffdesignerin aus Australien vom Label umbrellaprints - zum Beispiel, passte so toll zu meinen bisherigen Überlegungen.











Außerdem stolperte ich immer wieder über Bilder von schönen, schlichten Quilts, bei deren Anblick ich ins Schwärmen geriet.







Und dann immer wieder der Gedanke an den - wie ich glaube - Ursprung meiner Nähleidenschaft. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich sie geerbt habe. Immer schon war ich auf der Suche nach einer Möglichkeit, mich kreativ auszutoben. Allein das Vertrauen in mich und meine Fähigkeiten fehlte lange Zeit. Die Sehnsucht nach diesem "missing link" trieb mich dann irgendwann tatsächlich an die Nähmaschine und seither nähe ich fast täglich. Kurz nachdem ich vor bald 4 Jahren damit begonnen hatte, meinte meine Mama ganz unvermittelt zu mir : "Das hast du von deiner Oma!" .... ich war ganz platt...., denn ich wusste bis dahin nur sehr wenig von meiner Großmutter und erst recht nicht, dass sie nähte. Sie starb viel zu früh, als meine Mutter noch ein Kind war. Seit ich weiß, dass sie auch genäht hat,  habe ich das Gefühl, sie vielleicht dadurch ein bisschen kennenzulernen und frage mich oft, ob sie die Dinge, die ich so nähe mögen würde.


Auf diesem Bild trägt meine Mama ein Kleidchen, was ihre Mama damals für sie genäht hatte :-)


















All diese Gedanken zu Schwärmerei,  Nähen, Stoffen, Inspirationen und Harmonien, zu meiner Geschichte und der meiner Mutter - die übrigens unfassbar schön stricken kann :-) - und Großmutter, haben mich zu dem Punkt geführt, an dem ich endlich wusste, was aus den schönen Handlooms werden sollte. Ich wollte ein "Bild" nähen, ein Bild,welches alle diese Punkte vereint und mich an meine Geschichte erinnert.












Ich zeichnete mögliche Bilder auf, die stimmig sein könnten, verwarf die Ideen aber immer wieder und ließ mir mal wieder Zeit und hörte - wie so oft beim Nähen - Deutschlandfunk. Gerade kam die Sendung Büchermarkt und darin ein Interview mit der Schriftstellerin Nina Jäckle  (nachzuhören und zu lesen auf deutschlandfunk.de). Und wieder einmal wurde ich ganz unverhofft  zurückgeworfen auf die HandlomRhapsody und die mir noch fehlende FORM für mein Bild.


Auf die Frage, warum sie diese bestimmte Form für ihr Buch (welches von ihrer Großmutter (!) handelte) gewählt hatte, antwortete sie:


....und plötzlich, bei den Aufzeichnungen, ich hatte noch nicht mal vor ein Buch daraus zu schreiben, aber bei dem Sammeln von Gedanken über meine Großmutter hat sich plötzlichein Klang eingestellt. Und das ist bei mir immer das Zeichen: Jetzt geht was los. Und als dieser Klang da war, war die Form keine ausgesuchte mehr, sondern ich habe es dann einfach gemacht. Ich kann schlecht Auskunft geben über die Form, die ich wähle, weil ich nicht das Gefühl habe, sie zu wählen. Ich mache das so. Es ist mir nur so möglich. ....






Und ICH hab das dann SO gemacht :-)










Ein Bild, zusammengesetzt aus Teilen, Fragmenten, Formen und Farben. Drei Frauen, drei Farben, drei Stoffe  - jede für sich in ihrer Form, aber alle verbunden. Der Klang hat sich eingestellt - die Harmonie plötzlich da. So stimmt es für mich. 

Vielleicht klingt das alles hier total kitschig, aber DAS ist es, warum ich so unfassbar gerne nähe, warum es zu mir gehört. Ich schaffe mir Harmonie, Stimmigkeit, Zufriedenheit, ein Gefühl, das für einen Moment alles passt. Und ich glaube, das geht nicht nur mir so, wenn ich bei Instagram immer wieder über den Hashtag #nähenistmeinyoga stolpere.
















































Was mich diese kleine Reise vom Stoff übers Ich bis zum fertigen Werk gelehrt hat....



Ich lasse meiner INSPIRATION Raum und Zeit,
 ich erzwinge nichts, 
sondern VERTRAUE auf meine, deine, unsere Energie 
und meine Wurzeln.





.....und was hieß doch gleich nochmal mein Blogname, 
den ich mir zu Beginn meines Bloggerdaseins gegeben hatte? 





TilliT
... 
ist norwegisch und heißt 
VERTRAUEN









Und so schließt sich der Kreis.









 






Liebe Ines, Danke für dein Vertrauen und deine wundervollen Stoffe.




Wenn ihr noch weitere Geschichten rund um die Handlooms lesen wollt, solltet ihr bei karlottapink auf facebook oder Instagram vorbeischauen (ich werde in den nächsten Tagen hier noch alle Links einfügen). Dort findet ihr die bisherigen Posts zur Blogtour und im Laufe der Woche alle weiteren. Heute erzählt  Dominique @kreamino parallel zu mir IHRE Handloom-Geschichte und ich bin ganz baff, dass ihre Bilder so gut zu meinen passen ;-)
















 Grüssle.






Kommentare:

  1. Wow, total spannend die Entstehungsgeschichte zu dem Bild zu lesen.
    Und wie immer wunderschön und total stimmig und harmonisch.
    Ich finde, deine Fotos und auch deine Werke strahlen immer unglaubliche Ruhe aus. Und erwecken bei mir das Gefühl von das muss so. Und zwar genau so sein. Mit all seinen feinen Details.
    Jetzt verstehe ich auch warum...
    Liebe Grüße Miriam

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  2. Schön, dass du dich getraut hast und wir mehr über dich und deinen Nähprozess, deine Gedanken und deine Inspiration erfahren durften! Würde mich freuen mehr von dir zu hören. Deine Bilder sind zwar auch immer genial und reichen ganz oft auch, aber der Text war super schön. Danke! :)

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  3. Und ich bin nun auch berührt, sehr sogar (inkl. ein zwei Tränchen in den Aufwinkeln), von deinen Worten, in denen ich mich so wiederfinde, von dem wunderschönen genähten Bild übers Leben, weil alles so stimmig ist ... danke dir, Tatjana!
    Glg Kathrin

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  4. Jede und jeder ist ein Individuum und doch stehen wir in einer Reihe. Großmutter und Mutter, sie prägen und prägten uns bewußt und unbewußt - und so sind wir, wer wir sind - danke für Deine Gedanken und Mitnehmen in die Vergangenheit und Gegenwart. Ich fühle mich manchmal auch mit meiner mir unbekannten Großmutter verbunden - grad auch als ich einen Kissenbezug verarbeitete, der ihr Monogram trug.
    Die Harmonie und doch jede einzeln strahlt Dein Bild auf warme Weise aus.
    Liebe Grüße
    Ines

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  5. Liebe Tatiana,

    Dein Quilt ist unglaublich toll geworden. Das Schönste, das Du je gemacht hast. Ich finde den nicht nur harmonisch sondern auch sehr künstlerisch und mag die Bilder immer wieder gern ansehen. Die Geschichte dahinter finde ich bewegend und vor allem der Aspekt mit Deiner Oma hat mich zum Nachdenken gebrach.

    LG Mareike

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  6. Ich bin ganz ergriffen von deiner Geschichte und deinem Bild! Man hat das Gefühl, dass du angekommen bist mit dem was du tust! Ich freue mich für dich. Schön, dass Ines dich ausgewählt hat.

    Liebe Grüße
    Marion

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  7. So ein wunderbarer Text zu so einem schönen Quilt! Danke, dass du uns an dem Entstehungsprozess ein Stück teilhaben lässt!

    Lieber Gruß
    Steffi

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    1. Ich möchte mich Steffis Worten anschließen. Dein Beitrag hat mich in vielerlei Hinsicht sehr berührt. Darf ich Dich dazu ermutigen, jetzt weiterzumachen - mit genähten Bildern. Ich vertraue darauf, wenn Du dieses Thema vertiefen würdest, kämst Du zu wundervollen Ergebnissen. Gerne möchte ich Dich auf einen früheren Blogbeitrag von mir hinweisen, ich habe ihn "Meine Schneidergene" genannt und er bestätigt wohl Deine Vermutung bezüglich Deiner Großmutter - http://www.b-patterns.com/blog/meine-schneidergene/
      Es grüßt Dich herzlich, Ingrid

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  8. Liebe Tatiana,

    Eine wunderschöne Reise durch deine Gedanken und wie du zu dem gekommen bist, was du genäht hast. Beides einfach wundervoll.

    Lg Judith

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  9. Liebe Tatiana,
    Du weißt ja schon, wie wunderbar ich Deinen Quilt finde. Ohne Worte. Mindestens so wunderbar ist deine Geschichte. Spannend ist auch die Rolle, die Musik beiDir gespielt hat. Mir ging es ähnlich. Aber das liest du ja morgen...
    Lg
    Julia

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  10. Deine Geschichte erinnert mich daran, dass ich meiner Inspiration auch mal wieder Raum und Zeit lassen muss. Danke dafür :) Dein Quilt ist wirklich schön geworden.
    Liebe Grüße,
    Jenny

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  11. Wunderschön ist Dein Bild geworden - harmonieausstrahlend und für mich unglaublich bewundernswert. Wie viel Arbeit muss es wohl gemacht haben, das zu entwerfen, zusammenzusetzen, zu besticken? Aber es hat sich definitiv gelohnt.
    Mit liebem Gruß
    Regina

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